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August 10, 2020 1 Kommentar

Die vier edlen Wahrheiten und der achtfache Pfad sind Schlüsselbegriffe im Buddhismus. Die vier edlen Wahrheiten sind zentrale Überzeugungen oder Erkenntnisse über die Welt. Der achtfache Pfad ist die Handlungsanleitung, wie man dem endlosen Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt – Samsara genannt – entkommen und den ewigen Frieden finden, also in das Nirvana eingehen kann.

Die edle Wahrheit über das Leiden (Dukkha)

Dukkha bedeutet, dass diese Welt voller Leiden ist. Der Buddha hat erkannt, dass alle Existenz auf Erden Leiden ist, von der Geburt bis zum Tod. Der Mensch wird geboren, wächst heran, altert, hat irgendwann mit Krankheiten zu kämpfen und stirbt schließlich. Dann fängt der Kreislauf wieder von vorne an. Die irdische Existenz des Menschen ist Leiden und Leid ist Dukkha. Dies ist die erste Wahrheit.

Die Wahrheit über die Entstehung des Leidens (Samudhaya)

Die Ursache des menschlichen Leidens liegt in der Unwissenheit. Die menschliche Ignoranz und das daraus resultierende Karma werden im Buddhismus oft als Verlangen oder Sehnsucht bezeichnet. Dazu gehören das Verlangen und die Sehnsucht nach Befriedigung von körperlichen Bedürfnissen und nach Erlebnissen, die die menschlichen Sinne umfassen. Laut Buddha ist die Ursache des Leides im Verstand selbst zu finden. Das bemerken wir in unserer Neigung dazu, über Dinge nachzudenken oder sie eben zu verdrängen, indem wir uns gedanklich ablenken und zerstreut sind. Wir leiden, weil wir gedanklich an Dingen festhalten und Geschehnisse oder Erlebnisse nicht akzeptieren möchten. Wir denken, dass etwas nicht so sein sollte wie es ist oder denken darüber nach, wie es anders hätte sein können. Diese Art zu denken birgt viel Leid. Das ist die zweite Wahrheit.

Die Wahrheit über die Beendigung des Leidens (Nirodha)

Die Überwindung aller menschlichen Unwissenheit und somit die Auflösung oder das Loslassen sämtlichen irdischen Leidens führt zu einem als Nirvana bekannten Zustand. Das Erreichen des Nirvana ist nicht etwa ein Ort oder „Himmel“, wie wir uns das in der westlichen Kultur vielleicht vorstellen, sondern eher ein ewiger Zustand der Ruhe. Stell dir vor, es gibt ein loderndes Feuer, das die Unwissenheit der Welt darstellt. Das Löschen dieses Feuers ist Nirvana. Das kann am Ende des Lebens geschehen oder am Ende des nächsten Lebens oder auch schon während des Lebens. Das Nirvana ist nicht ein Leben nach dem Tod, sondern ein Seinszustand, den die Buddhisten noch zu Lebzeiten anstreben. Das ist die Wahrheit der Beendigung des Leidens

Die edle Wahrheit über den Pfad der Ausübung, der zur Beendigung des Leidens führt (Magga)

Die Wahrheit des Pfades zur Beendigung des Leidens ist der achtfache edle Pfad. Wie erreichen die Buddhisten den Zustand des Nirvana? Ganz einfach, sie befolgen die Lehre des achtfachen edlen Pfads und integrieren ihn in ihren Alltag. Durch den festen Glauben an die vier edlen Wahrheiten und die Umsetzung des edlen achtfachen Pfads im Alltag versuchen die Buddhisten, das Nirvana, zu erreichen. Das Nirvana ist das ultimative Ziel des Buddhismus. Die vier edlen Wahrheiten stellen die Grundsteine des Glaubens dar und der achtfache Pfad ist eine Anleitung für die Handlungen, die sich aus dem Glauben ergeben.

Was ist der achtfache Pfad des Buddhismus?

der achtfache Pfad des Buddhismus-Das Dharma RadDer edle achtfache Pfad wird von den Buddhisten im Alltag umgesetzt, denn ihr Ziel ist es, in die Fußstapfen des Buddha zu treten und das Nirvana zu erreichen. Du musst kein Buddhist sein, um dir den achtfachen Pfad zu Herzen zu nehmen und mehr Ruhe und Harmonie in dein Leben zu bringen!

Der edle achtfache Pfad – der Pfad der Ausübung:

  1. Rechte Erkenntnis – Sieh die Dinge so, wie sie wirklich sind, nicht wie du denkst, dass sie sind. Zum Beispiel ist das eine Aufforderung, dich von deinen Vorurteilen zu befreien. Nimm die Situationen und die Menschen so hin, wie sie eben sind. Mache keine Mutmaßungen oder Anschuldigungen.
  2. Rechte Gesinnung – Denke positiv und gut über die Menschen. Sei nicht gierig, neidisch oder rachsüchtig, sondern wende dich von negativer Gesinnung ab und konzentriere dich auf die schönen Dinge im Leben. Bemühe dich um eine positive Einstellung.
  3. Rechte Rede – Achte darauf, welche Worte du benutzt. Schimpfwörter und Lügen, Klatsch und Tratsch und verletzende Worte solltest du vermeiden. Mache stattdessen Komplimente, muntere Menschen auf, ermutige und rede dir selbst und deinen Mitmenschen gut zu. Du wirst sehen, wie sehr sich deine Wortwahl auf dein Gemüt auswirkt!
  4. Rechtes Handeln – Sei freundlich und friedlich, zeige Mitgefühl mit allen Lebewesen und gehe wohlwollend mit ihnen um. Sei nicht zerstörerisch zu dir selbst oder zu Anderen, stiehl nicht und verhalte dich nicht aggressiv. Teile mit deinen Mitmenschen, mache Anderen eine Freude, sei gnädig.
  5. Rechter Lebenswandel – Verdiene deinen Lebensunterhalt auf eine Art und Weise, dass niemand dabei zu Schaden kommt. Weder Menschen noch Tiere noch die Natur sollten bei deiner Tätigkeit zu Schaden kommen. Als Lehrer, Arzt oder Feuerwehrmann trägt man natürlich zum Guten bei aber nicht jeder ist dafür geeignet. Ob Postbote, Sekretärin oder Bankangestellte, es gibt auch neutrale Jobs. Egal, was du beruflich machst, wichtig ist, dass du es mit deinem Gewissen vereinbaren kannst.
  6. Rechtes Streben – Bemühe dich, den edlen Pfad zu befolgen. Arbeite an dir und versuche stets, dein Bewusstsein und Verständnis zu steigern. Das Leben ist ein Prozess und der Buddha wurde nicht von heute auf morgen Buddha. Übung macht den Meister und was zählt ist die richtige Einstellung. Versuche stets dein Bestes! Wir sollten unsere Bemühungen auf die Überwindung von Ignoranz und selbstsüchtigen Wünschen richten.
  7. Rechte Achtsamkeit – Achtsam zu sein bedeutet, im Hier und Jetzt zu leben. Denn wenn wir präsent sind, dann können wir unsere Gedanken, Worte und Handlungen kontrolliert steuern und sind nicht Opfer unserer Umstände. Wir sollten uns jederzeit unserer Wahrnehmung bewusst sein. Fokus auf den gegenwärtigen Moment ist das Gegenteil von Zerstreuung und Ablenkung.
  8. Rechtes Sich-Versenken – Die Buddhisten richten ihre Aufmerksamkeit in der Meditation auf den Buddha, sein Leben und seine Lehre. Viele meditieren in einem buddhistischen Tempel, doch Meditation kann auch zu Hause oder an einem anderen ruhigen Ort stattfinden. Achtsamkeit üben ist eine Art von Meditation. Auch während einer Tätigkeit kann meditiert werden. Spazierengehen, Kochen, Yoga, Wäsche zusammenlegen, Reifen wechseln, Geschirr spülen. Alles kann eine Übung der Achtsamkeit werden.

Anne-Marie Sterr
Anne-Marie Sterr


1 Antwort

R. S.
R. S.

März 22, 2021

Ich habe gelernt, dass Meditation eine Form der Parasympatikuszulassung ist. Es gibt verschiedene Techniken, in einen entspannten Zustand zu kommen. Auch Schlaf gehört dazu. Eine Technik ist, dass wir uns an einen schönen Moment erinnern in dem wir uns am ganzen Körper wohl gefühlt haben, z.B. sich von der Sonne tracknen lassen nach einem Bad im kühlen Wasser. Dies ist eine sehr irdische Erfahrung. Sie hat nichts mit Leid zu tun und ich möchte sie gerne wieder erfahren. Deshalb nutze ich sie auch zur Entspannung oder gar als Start einer Meditation. Ich sehne mich also danach. Ich lasse die Erinnerung an sie zu und gleichzeitig lasse ich sie los resp. sein. Ich kontrolliere nicht. Ich glaube nicht, dass Achtsamkeit Kontrolle ist sondern Zulassen, Loslassen, Seinlassen (intern und extern). Ich werde das Gefühl nicht los, dass einseitige Fokussierung auf ein Jenseits (Christen) oder Nirvana (Buddhisten) uns eines erfüllten Lebens auch berauben kann. Hilft uns der Buddhismus, unser Leben zu verbessern? Oder müssen wir uns im Leben ständig auf das Nirvana fokussieren? Die Einsicht, dass ich sterben werde, die Erfahrung, dass ich gelitten habe und das Bewusstsein, dass ich höchstwahrscheinlich wieder einmal leiden werde, habe ich doch längst gehabt. Diese Einsichten, Erfahrungen und Bewusstsein lassen mich umso bewusster auf das Hier und Jetzt, auf Dich und mich, auf Tiere und Natur fokussieren, also auf das Leben. LEBEN, ERINNERN, LOSLASSEN, NEU LEBEN. Darum geht’s, unabhängig, ob wir wiedergeboren werden, ins Nirvana oder den Himmel kommen. Nirvana und Himmel sollen erleichternde Vorstellungen sein, nicht erdrückende. (Und eine Hölle gibt es nicht. Würde ein Gott nur ein einziges Geschöpf dort zu ewigen Qualen verdammen, wäre er Satan. Wenn Gott bedingungslose Liebe ist, nimmt er/sie/es gelassen, wenn du ab und zu fluchst. Er/sie/es schenkt dir Atem in jeder Millisekunde, egal, was du tust. Wenn es ihn/sie/es gibt. Hast du Angst, auch so offen zu denken? – Musst du nicht haben. Lies meinen Text nochmals. Peace.)

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